Dienstag, 24.10.2006
Der Poltergeist & die Phantom-"Tage"
es sich nicht um einen harmlosen Geisterstalker a la Patrick Swayze zu handeln, sondern um einen wahrlich, unheimlichen Dämonen der Buffy-Klasse. Dieser Teufel lässt meine Warenwelt erzittern und vollführt periodische Bessenheiten in meinen Kunden aus.
Dabei bedient er sich perfidester Mittel, um meinen Kaufmannsalltag in ein Horrorszenario zu mutieren. Angefangen hat es mit gelegentlichen Stürzen von Artikeln aus atemberaubender Regalhöhe. Das Phänomen trat immer im Dunstkreis meiner Rentnerkundschaft auf. Zuerst hielt ich - verständlicherweise - deren motorische Unzulänglichkeit im Zusammenhang mit Gehhilfsmitteln als Auslöser für die vielen Produktplatzer auf meinem Fußboden. Aber nach einiger Zeit fiel mir auf, dass selbst der tolpatischgste, von Parkinson geplagte, an sämtlichen Starkrankheiten, erblindete Kunde nicht diese telekinetischen Erdbeben
auslösen könnte.
Die Verluste durch Warentode erschütterten meine Psyche nur zu einem "Bruchteil", denn der eigentliche Horrorterror vollführte sich regelmäßig an bestimmten Mondphasen. Die höhere Lebenserwartung von Frauen führt zu einem weit über 95%igen Anteil weiblicher Kundschaft. (Normalerweise würde sich heterosexuelles, männliches Verkaufspersonal bei
so einer Traumquote vor Freude auf die Schenkel klopfen. Es sei denn Man(n) arbeitet in einem Seniorensupermarkt oder im Fachhandel für bulgarische Gewichtheberinnen.)
Zeitgleich und wie auf einen unsichtbaren Befehl folge leistend, machten die Damen mein Verkaufsleben zur Hölle. Sprunghaftigkeit, Unentschiedenheit, Zickigkeit, Boshaftigkeit, Niederträchtigkeit, Eifersucht und Neidattacken wären noch wünschenswerte Umschreibungen für die Schreckerlebnisse, die mein Geist durchleiden musste. Der Damendämon verfluchte meine Kundschaft mit den "Phantom"-Tagen, dem schrecklichsten Fluch nach den Wechseljahren. Dieses periodische Unheilsphänomen trieb mich in den Wahnsinn (und dabei auch zum ersten mal zu tiefergreifendem Zielgruppenverständnis!).
In meiner Not schlug ich bayrische Kruzifixe über die Eingangspforte in meine Niederhölle. Ich aß die gesamte Knoblauchauslage aus meinem Sortiment und versteckte rumänische Silberpflöcke in der Kassenschublade (um sie mir in allerhöchster Not selbst in die Brust zu rammen). Aber es waren nur Affekthandlungen aus der Not geboren. In meiner Verzweiflung kontaktierte ich über das "Medium" Internet die heilige Inquisition und die aus Überseestammenden Ghostbusters. Ich scheiterte an der Fehlermeldung des Webformulars. Verzweiflung, Panik und Hilflosigkeit überkamen mich, als vor meinen tränenerfüllten Augen eine schemenhafte Gestalt mir die Hand reichte und mich fragte: "Alter_Mann, komm auf die dunkle Seite der Macht!?" und ich...
von alter_mann um # 10:38 in Beobachtungen | 2 Kommentare | TrackBack (0) | versenden
Freitag, 04.08.2006
Kundenfrage
Alter_Mann: "Ja, bitte!"
Kundin: "Sie haben ja einen ziemlichen Strubbelkopf?!"
Alter_Mann: "?"
Kundin: "Aber wie sehe ICH eigentlich aus? Kann ich so auf eine Hochzeit gehen?"
Alter_Mann: (mal wieder sprachlos)
von alter_mann um # 16:11 in Neulich | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Donnerstag, 27.07.2006
Frontbericht
Gründe für diese gewalttätigen Aktionen sind mir nicht bekannt. Weder gab es eine Kriegserklärung,
noch habe ich mir etwas zu Schulden kommen lassen. Die Bisszartheit der Brötchen liegt immer noch auf Kukidentniveau, der Vorrat an Inkontinenzbinden gleicht Rudi Carell´s Nachrufen und das Schnapsregal wurde auch um einige schmackhafte Branntweine (z.B. Der gute Pott) aufgestockt. Vielleicht hat die Stationierung einiger älterer "Seniors" aus Übersee in der Nähe meines Ladens zu diesen unberechtigten Angriffen geführt.
Dabei wenden die alten Haudegen verschiedenste Taktiken an. Manche Seniorensoldaten versuchen es mit psychologischer Kriegsführung. Geschichten werden endlos wiederholt, wiederholt, wiederholt, wiederholt, wiederholt, wiederholt, wiederholt, wiederholt,.. (ja so fühlt sich das an, Liebe Leser), so dass ich schon Blutkonserven unter der Kassentheke habe, um den Verlust von roten Blutkörperchen aus meine Ohren auszugleichen.
Weitere schleifen mentale Belagerungswaffen ? nämlich Kassettenrekorder - an und zwingen mich Tonbandaufzeichnungen von Wellensittichen anzuhören, die sich darauf angeblich in menschlicher Sprache über angebliche Tonbandaufzeichnungen von sprechenden Wellensittichen unterhalten (Hä?).
Dass man bei solchen gemeinen Maßnahmen suizide Gedankengänge entwickelt ist wohl selbstverständlich. Mehrmals kam mir schon der Gedanke mir den Handscanner tief in meinen Rachen zu stoßen oder mir von der Kassenschublade den Kopf abtrennen zu lassen.
Andere Kombattanten versuchen es mit klassischen Manövern. Mehrfach wurde ich schon von schwerem Kriegsgerät wie elektrischen Rollstühlen oder Rollatoren versucht zu überfahren. Mit beherzten Sprüngen zur Seite oder in den Pfandcontainer konnte ich mich allerdings retten. Dass bei diesen Angriffen erhebliche Kollateralschäden an den Waren meines Ladens entstanden sind, ist genauso eine traurige Geschichte wie der Fall des Sacks Reis in China.
Ganz grausame Greise versuchen mich sogar mit Gasangriffen um die Ecke zu bringen. Dabei nehmen sie es sogar in Kauf, dass andere Kunden unter "Friendly (Gas)Fire" geraten. Skrupellos feuern sie aus all ihren körpereigenen Rohren und Ventilen derartige Geruchsbomben, so dass ich mir zur Verteidigung einen Schutzwall aus Febreze und Airwick Blütenbouquet zugelegt habe, um sofort olfaktorische Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
Die perfideste Taktik allerdings übte dereinst eine Veteranin aus, die ihre Ausbildung wohl in einem von Rudolf Scharping geleiteten Sondereinsatzkommando absolviert hat. Als Sie zum Bezahlen an die Kasse schlich, verweigerte Sie mir den sonst üblichen Hilfsgriff ins Portemonnaie. Diese Seniorensöldnerin wehrte sich vehement gegen mein Angebot, sie beim Suchen der passenden Münzen in ihrem ledernen Groschengrab zu unterstützen.
Daraufhin leitete Sie ihre gemein-gefährliche Attacke mit dem Satz "Ooh, ich hab mich immer noch nicht an diesen Euro gewöhnt..." ein und entschleunigte mit voller Langsamkeit ihre Suchbemühungen auf ein Zeitlupenniveau. Mein Blick folgte ihr milimeterweise und ich merkte wie mich ob der langsamen, hypnotisch-zittrigen Bewegungen die Müdigkeit übermannte. Ich schlief ein!
Und stolperte durch den Sekundenschlaf über meine Beine und stürzte mit dem rechten Auge
auf meinen eigenen Prospektständer. Blut spritzte hervor und für einen Augenblick dachte ich für den Rest meines Lebens auf einem Auge blöd zu sein. Schnell begab ich mich ins Lazarettzelt und verarztete mich survivalmäßig unter barbarischen Schmerzen und nur mit einem Auge sehend selber. Als ich an den Tatort zurückkehrte, stand die alte Attentäterin immer noch mit Unschuldsmiene vor dem Kassentresen und setzte zum Finale des Bezahlvorgangs an.
Mittlerweile hat sogar schon mein Versicherer die besondere Gefahrenlage erkannt und meine Tätigkeit im Kolonialwarenladen in dieselbe Risikoklasse eingestuft, in der sich auch blinde Schlangenbeschwörer, alzheimerkranke Fallschirmspringer und Bombenentschärfer mit Parkinson befinden.
von alter_mann um # 11:17 in Beobachtungen | 1 Kommentar | TrackBack (0) | versenden
Dienstag, 27.06.2006
Kundenrätsel
Bitte in den Kommentaren die richtige Antwort posten!
Der Erste darf sich das Eis beim alten_mann abholen.
von alter_mann um # 09:05 in Neulich | 1 Kommentar | TrackBack (0) | versenden
Samstag, 03.06.2006
Ich habe einen (Alp)Traum!
Mein Traum handelt von dem perfekten Seniorensupermarkt. Die Kunden kommen fröhlich herein, halten ihre Kukidentklappe und finden die Waren auf den ersten Blick. Ohne zu Murren zahlen Sie Höchstpreise für Dinge des täglichen Bedarfs und zum Schluss haben Sie sogar die Möglichkeit ihr gesamtes Vermögen für einen Schluck aus dem Jungbrunnen zu tauschen. Die Kasse klingelt wie ein Eisverkäufer im Rekordsommer 2003 und aus reichen, alten, gebrechlichen Seniorinnen werden junge, gutaussehende, sportliche Damen, die zwar arm aber mit einem lasziven Lächeln auf den Lippen diesen traumhaften Markt der Unmöglichkeiten verlassen und mir zum Abschied einen Kuss und ihre Festnetznummer geben.
Aber wie jeden Tag reißt ein fürchterliches Vibrieren meines Handys mich aus meinem wonnigen Traum und erinnert mich an die Nachmittagsschicht. Völlig schlaftrunken trete ich aus dem Büro hinaus, welches umgeben von Seniorenwohnungen ist, und vernehme eine altersschwache Stimme. Mein erster Versuch die Aufnahme der Wörter in mein Hirn zu verhindern, scheitert wie der EU-Beitritt der Türkei. Ich staune über mich selbst, warum ich mich zu einem gekrächzten "Schwester?!" hin umdrehe, verwerfe aber sofort Gedanken zu transsexuellen Problemen mit meinem Körper.
Schlieren in meiner Sicht verhindern das sofortige Erkennen des Katastrophenfalls, der sich vor mir abspielt. Als ich auf ein paar Meter heran bin, verfällt mein Körper in eine Art Schockstarre, bei der sich leider nicht meine Augen schließen. Ein grausiges Schauspiel der Natur offenbart sich vor mir. Eine Rentnerin hat sich beim Verlassen der Wohnung ihre (Gummibund)Hose in der Tür eingeklemmt, was zu einer folgenschweren Verkettung von noch schwereren Sicht-Super-GAU´s führte.
Die eingeklemmte Hose riss nämlich beim Versuch der Seniorin sich aus dieser perfiden selbst gestellten Falle zu befreien, ihren Windelschlüpfer mit herunter. Der Anblick von Mutter Natur´s alterschwachen Schoß lässt Panikwellen über meinen Körper brechen. Ich wünsche mich lieber in eine Einzelzelle mit Daniel Küblbock und breche im selbigen Moment den Eid den ich als DR. Dressman (siehe Artikel) geleistet habe. Mich selbst verfluchend und bedauernd nun den Rest des Lebens asexuell weiterexistieren zu müssen, nähert sich zum Glück Rettung in Form einer jungen hübschen Schwester, die aber sichtlich zögert, welchen Notfall sie zuerst behandeln soll.
Völlig gezeichnet von dieser Extremerfahrung stolpere ich in meinen Laden und ziehe unter dem Kassentisch die COUPE hervor (die nach dem letzten Vorfall "Sex and the Supermarkt" angeschafft wurde). Hektisches Blättern unter der Ladentheke verwundert die erste Kundin. Auf ihre Frage hin, ob ich eine angenehme Mittagspause hatte, antworte ich kreischend und mit aufgerissenen Augen. "NEIN, ich hatte einen Alptraum" und "LASSEN SIE BLOSS IHRE HOSE AN!"
von alter_mann um # 15:39 in Beobachtungen | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Donnerstag, 13.04.2006
Kundenwunsch II
Alter_Mann sprachlos!!!
von alter_mann um # 18:14 in Neulich | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Dienstag, 04.04.2006
Dr. Dressman
Als fast schon übereifriger Kleinkrämer biete ich schon jede moralisch vertretbare Ware und Dienstleistung an, die Senioren interessieren (und bezahlen) könnten. Ich bin quasi die Prostituierte des Einzelhandels und kombiniere das älteste Gewerbe mit den ältesten Kunden.
Aber auch mich überraschen manchmal die Wünsche meiner Klienten und potientielle Dienstleistungen tun sich überraschend auf wie Hosenställe bei Gastvorträgen.
Erst kürzlich betrat doch ein Greis meinen Laden mit halbheruntergelassener Hose und bat mich vor versammelter Kundschaft sein "Problem" zu "beheben". Ich sollte seine antiquierten Hosenträger wieder zu einer erfolgreichen Symbiose mit besagtem Beinkleid vereinen. Die Operation am "offenen" Patienten verlief trotz der ungewöhnlich hohen Zuschauerzahl ohne nennenswerte Komplikationen.
Ein paar Tage später kam eine leicht korpulente Kundin mit offener Hose in meinen Markt und bat mich doch Ihren Gürtel enger zu schnallen. Das Gezerre an ihrem Hosenbund war wirklich eines Marktleiters nicht würdig. Aber auch diese Operation verlief erfolgreich und die Kundin verließ meinen Konsumtempel glücklich, aber leicht nach Atem ringend.
Und heute passierte der Höhepunkt meiner Karriere als Dr. Dressman. Eine Kundin schleifte sich in Strumpfhose (zum Glück war noch ein Rock drüber) und Rollator in meine Praxis, äh Ladenfläche, und fragte nach Erster-Hilfe. Ich sollte doch ihre Schuhe, die im Körbchen der Mobilitätshilfe lagen, wieder an ihren angestammten Platz "verpflanzen". Die grauen Gesundheitstreter mit trendigem Klettverschluß machten einen grauenerregenden Eindruck auf mich. Aber als Dr. Dressman leistete ich einen Eid, jedem Senior bei Kleidungsproblemen Soforthilfe zu leisten.
Die Operation verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Strumpfhose und Klettverschluss verhederten sich für einen Moment und der Rollator began zu kippen. Ich befürchtete für einen kurzen Augenblick meinen Patienten, äh Kunden, zu verlieren. Aber ich brachte ihren Knöchel gerade noch in eine stabile Seitenlage und verhinderte den Sturz auf die Ladentheke. Die Operation verlief erfolgreich und die Kundin konnte voll entschleunigend den Laden frohen Mutes verlassen. Ich spürte eine tiefe Befriedigung und merkte, dass man auch als Einzelhändler leben retten kann.
von alter_mann um # 23:08 in Beobachtungen | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Montag, 06.03.2006
Olfaktorische Orgien
Neben dem penetranten Geruch der ollen Klamotten aus der Reinigungsabgabeecke (wir arbeiten an einer Vakuumlösung, noch nutzen wir den natürlichen Durchzug) hat man es auch mit gelegentlicher Flatulenz seitens der fröhlichen Kunden zu tun. Original Kölnisch Wasser - ebenfalls bekannt als 4711 - wird gerne mal von den Damen dick aufgetragen. Dabei habe ich das Gefühl, dass einige Käuferinnen noch über Originalflakons aus dem Gründungsjahr 1881 verfügen.
Das kontinuierliche Sinken der Absatzzahlen aus der Deodorantabteilung ist bezeichned für die olifaktorische Herausforderung der Mitarbeiter. Patricks Süsskinds berühmter Protagonist hätte wahrscheinlich schon nach einer Vormittagsschicht selbstmörderische Gedanken entwickelt.
Mich allerdings treiben diese duften Düfte manchmal zu unternehmerischen Höchstleistungen. Ich überlege ernsthaft witzige Wunderbäume für Rollatoren oder pfiffige Pheromonelixiere gegen Einsamkeit im hohen Alter anzubieten.
An anderen Tagen allerdings beklage ich naserümpfend die Penetranz der Duftmoleküle, die den ganzen Tag über Zeit hatten, sich an meine Marktleiterkittel zu heften wie Paparazzi an Brangelina. Selbst frisches Febreeze hat keine Chance gegen die Anhänglichkeit der Duftbomben, so dass man dieses Phänomen wohl als gefährliches Geruchs-Stalking klassifizieren muss. Shit happens (oh, hoffentlich nicht)!
von alter_mann um # 00:35 in Beobachtungen | 3 Kommentare | TrackBack (0) | versenden
Freitag, 17.02.2006
Gute Geschäfte
Der alte_mann antwortet:"Danke, ich wünsche Ihnen ebenfalls ein gutes GESCHÄFT!"
von alter_mann um # 09:56 in Neulich | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Donnerstag, 09.02.2006
Ei des Polumbus
"Da hat die Henne wohl Hämorrhoiden gehabt!"
Prost Mahlzeit! Ich kack ab;-)
von alter_mann um # 17:18 in Neulich | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Montag, 06.02.2006
DAS ist Deutschland!
nach "Geist ist geil!" reitet. Aber ich sehe mich im Seniorensupermarkt nur als Wiedergabetaste des Realitätsrekorders und DAS ist Deutschland:
Vor kurzem wollte ich meinen Kunden einen unvergesslichen Erlebniseinkauf bei mir im Markt anbieten. Leider passen irrsinig teure Marketingmaßnahmen wie Autoverlosungen (Golf plus wäre passend) oder "Miss Senio-Supermarkt Model Wettbewerbe" nicht in mein Budget. Auf der anderen Seite möchte ich auch keine Kaffeefahrtpreisausschreiben mit anschließenden Besichtigungen von Discount-Bestattern in Holland als Einkaufshighlight des Jahres anpreisen. Es musste etwas Innovatives her (Immerhin sind wir das Land der Ideen!)
Also blies ich einen Luftballon für 10 Cent auf (Einkaufspreis 1 Cent - ach wenn wir nur Luftballons verkaufen würden) und legte ihn auf den Fußboden an der meistbefahrensten Stelle im Markt.
Mein Plan ging auf. Nach anfanglichem Zögern der rüstigen Rentnerschar und Verwechslungen des Ballons mit einheimischen, aber schon ausgestorbenen, Wildtieren, ließ sich die erste Senioren zum halbherzigen Tritt gegen das Gummispielzeug erwärmen.
Und siehe da. Eine unvergleiche Endorphinexplosion überkam die Dame wie damals bei der Übermittlung ihres Rentenbescheids. Immer wieder traten die Kunden mit Füßen, Stöcken und Rollatoren gegen das infantile Spielzeug und hatten sichtlich Spaß dabei. Auch ich klopfte mir nicht nur geistig auf die Schulter, ob der gelungen PR-Aktion, mit der ich sicherlich den Preis zum innovatisten Seniorensupermarktbetreiber Deutschlands einheimsen würde.
Mein Lächeln erfor als sich eine Kundin massivst über das gefährliche Weghinderniss beschwerte und darauf verwies, dass Sie oder andere Kunden doch über den Ballon stolpern könnten oder diesen im letzten Moment nur aus dem Augenwinkel erblicken und vor Schreck gegen das Damenhygieneregal scheppern könnten.
Auf meine Antwort "Das ist nur ein Luftballon!" bekam ich einen eisigen Blick wie man ihn nur von TÜV Prüfern kennt, die einem wegen einer fehlenden Mullbinde im Erste-Hilfe-Kasten die Bescheinigung verweigern.
Sie ließ sich auf keine Diskussion ein und besuchte mich noch zweimal am Vormittag,um sich ja zu vergewissern, ob ich dieses brandgefährliche Spielzeug auch wirklich ordnungs- und sachgemöß entfernt habe.
Ich gab auf! Obwohl allen Kunden ein Riesenspaß mit dem bißchen Luft und Gummi bereitet wurde, zog ich den Kürzeren und zerstörte den Ballon bevor die grantige Greisen mir alle Ordnungsbehörden auf den Hals hetzen konnte.
Und das liebe Leser, DAS ist Deutschland!!!
von alter_mann um # 20:53 in Beobachtungen | 1 Kommentar | TrackBack (0) | versenden
Montag, 30.01.2006
MHD Reloaded
zum Wochenstart gabs heute mal wieder die doppelte Packung in Sachen abgelaufen Lebensmittelwaren.
Mein Mittagessen bestand aus den famosen "Du Darfst Wiener Würgstchen", deren Ablaufultimatum noch aus dem letzten Jahr stammt.
Garniert wurde diese Wurstdelikatesse (mit nur 16% Fett) von zwei leckeren "Ehrmann Verdruss Diät Joghurts" mit der Geschmacksvariante "Orange-Mango-Schimmel".
Für Bulimiker sind abgelaufene Diätprodukte vielleicht eine interessante Ernährungsalternative.
Ich finds mittlerweile zum Kotzen;-)
Vielleicht lanciere ich ja mal eine entprechende Diät in einschlägigen Frauenmagazinen. Guten Appetit!
von alter_mann um # 15:22 in Neulich | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Sonntag, 22.01.2006
Der Super-GAU!!!
Oh mein Gott, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie mir die Gesichtszüge entglitten sind, als ich feststellte, dass die Futterdose nicht mehr an ihrem angestammten Platz war. Die Enttäuschung der Kundin, die auch die Initiatorin dieses ehrgeizigen Spendenprojektes ist, war mehr als maßlos. Zorn und Wut schlugen mir wie Kolibriflügel entgegen. Ich konnte Sie nur mit einem ?Bestimmt hat mein Kollege die Dose ins Lager gestellt? beschwichtigen und sie aus dem Markt hinauskomplimentieren bzw. schieben. Investigative Recherchen haben allerdings ergeben, dass die Plastikdose tatsächlich Opfer eines dreisten Diebstahls geworden ist.
Mir steht jetzt eine Höllenwoche bevor, bei der ich zum einen der Kundin erklären muss, dass mir ihr Sparschwein quasi vor meinen Adler-Augen geklaut wurde. Zum anderen muss ich mit der Spurenaufnahme beginnen und Akte XY im Markt spielen. Das Problem dabei ist, dass der oder die Täter/in wahrscheinlich den Diebstahl schon vergessen haben!
von alter_mann um # 17:36 in Neulich | 3 Kommentare | TrackBack (0) | versenden
Donnerstag, 19.01.2006
Triple D ? Dreistigkeit, Diebstahl & Demenz
Die wohl dreisteste Masche passierte direkt vor meinen entsetzten Augen. Der Alte Mann (der andere, nicht ich) nahm völlig regungslos und absolut abgebrüht wie ein Hühnerknochen, eine Tafel der exquisiten und exklusiven LINDT Vanille & Zitronengrassschokolade in die Hand. Dann schob er, mich dabei betrachtend, die trendige Endorphinbombe in seine Hosentasche und fuhr mit seinem flotten Flitzer noch ne Acht in meinem Laden.
Als er dann Richtung Ausgang manövrierte, bekam ich schon einen leichten Reizhusten und Panik stieg in mir auf, wie ich diese delikate Situation am besten meistere. Ich wartete noch bis zur letzten Sekunde, vielleicht schlenkte er ja noch in Richtung Kassentheke, aber er überschritt die Demarkationslinie.
Mit einem erstaunten und fassungslosen ?Junger Mann? auf das er erste einmal nicht reagierte und dann einem deutlichen ?Halt?, bat ich ihn doch die Schokolade in seiner Hosentasche zu bezahlen.
Er reagierte ausgebufft und leicht verdutzt wie ein alter Pokerhase und fragte mich ?Welche Schokolade??.
Schweiß stand mir mal wieder auf der Stirn. Hatte ich mich getäuscht. War die Nacht mal wieder kurz und das Actimel schlecht. Ich war mir verdammt sicher, da musste die Zitronengrassschokolade drin sein. Ich konnte sie förmlich riechen, auch wenn ich durch einen starken penetranten Geruch aus unserer Reinigungs-Abgabe Ecke irritiert wurde.
Mein Blick blieb hart und forcierend. Seine Hand glitt in die Tasche und die Sekunde der Entscheidung trat ein.
Er meinte nur ?Oh, wie ist die denn da hingekommen??
Er zog die Schokolade aus seiner Tasche, ein Gefühl der Erleichterung übermannte mich, würdigte mich keines Blickes und stellte sie ganz unverblümt wieder ins Regal.
Während ich noch um Worte rang, flitzte der Senior ohne ein Wort der Entschuldigung und ohne Schamesröte aus meinem Markt.
Fast siegten Dreistigkeit und Demenz.
von alter_mann um # 17:56 in Beobachtungen | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Freitag, 13.01.2006
Kundenwunsch
Alter_Mann: "Was wollen Sie denn?"
Kundin: "Das weiß ich nicht, aber Sie haben es ja nicht da!"
von alter_mann um # 15:58 in Neulich | 4 Kommentare | TrackBack (0) | versenden
Samstag, 07.01.2006
Senioren-Slang
Kundin an Silverster: "Ich habe genug geknallt in meinem Leben!"
Kundin stößt mit Rollator an andere Kundin: "Tschuldigung, dass ich sie angebumst habe!"
Kundin beim Aufstellen einer Spendendose für Vögel: ?Sie sind doch auch gut zu Vögeln??
von alter_mann um # 19:33 in Neulich | 2 Kommentare | TrackBack (0) | versenden
Freitag, 06.01.2006
Hochaltrig = Hochprozentig?
Zum Beispiel der hohe Konsum von Alkoholika! Wer denkt in den Zwanzigern sein Limit an hochprozentiger Beschnapsung erreicht zu haben, der täuscht sich gewaltig. Das Saufen wird erst im hohen Alter zur wirklichen ?Herkules?aufgabe. Neben dem täglichen Tanken muss man sich auch der Herausforderung der kreativen Ausreden stellen.
Eine meiner Lieblingskundinnen kauft jeden Tag eine kleine Flasche (375ml) Asbach Uralt (Name ist Programm) mit der fantastischen Ausrede, damit ihre schmerzende Schulter einzureiben. Ihre Fahne und der leicht unsichere Tritt beweisen aber schon vormittags das Gegenteil. Ich hoffe für diese Kundin nur, dass Sie nicht eines Tages auf Franz-Branntwein umsteigt!
Ein anderer Kunde kommt mehrmals täglich und kauft immer wieder ein kleines Schnäpschen. Die Strategie dahinter ist wohl, dass es weniger auffällt, wenn man mehrmals am Tag kommt bzw. sich auf seine eigene Vergesslichkeit berufen kann. Aber bei gut einem Dutzend Besuchen glaubt man an der Kasse eh nichts mehr.
Dann doch lieber wie eine unserer aristokratischen Kundinnen sein und mit Anstand und vornehmer Ignoranz einfach jeden Tag 8 Pikkolo und eine Klatschzeitschrift kaufen. Nur mit 1,5 Liter Sektbrause lassen sich diese schmierigen Blätter ertragen (siehe Eintrag Fresse ?Gelbe Presse?!!!). Und darüber muss man bekanntlich kein Wort verlieren.
von alter_mann um # 14:06 in Beobachtungen | 2 Kommentare | TrackBack (0) | versenden
Donnerstag, 05.01.2006
Der Sturm um 8
Ich hantiere noch mit Backwerk und Zeitschriftenstapeln, wenn ich durch die Scheibe eine Horde wild gewordener Rollatorenbesitzer auf meinem Markt zustürmen sehe. Ich weiß nicht ob es an meiner Müdigkeit liegt, die mein Sehvermögen noch ein wenig langsamer reagieren lässt, oder ob ich wirklich immer wieder Zeuge eines unglaublichen Zeitlupeneffektes a la Matrix werde.
Millimeter für Millimeter schiebt sich die Bande an meinen Markt heran. Selbst Blumenhindernisse und Schulkinder, die ich in den Weg stelle, verzögern nur unmerklich den Vormarsch der Truppe. Schweiß vom Backautomaten steht mir auf der Stirn, mein Atem geht immer schneller und Panik breitet sich in mir aus. Werde ich es vor 8 schaffen oder wird es mein letzter Tag im Markt sein, weil ich beim Öffnen unter die Räder komme?
Meine Sinne betrügen mich. Der Schweiß in den Augen und die Müdigkeit lassen mich paranoide Bilder sehen. Senioren drängen sich mit ihren Panzer-Rollatoren gegenseitig in die Blumengräben, Gehstöcke verwandeln sich in Degen mit denen die Räder der Kontrahenten zerstochen werden. Handtaschen werden zu Wurfkeulen mit denen die Vordersten von den Beinen geholt werden. Der Sturm um 8 hat begonnen und ich hisse die weiße Flagge!
von alter_mann um # 17:07 in Beobachtungen | 1 Kommentar | TrackBack (0) | versenden
Mittwoch, 04.01.2006
Fresse "Gelbe Presse"!!!
Vom Feeling her, habe ich das Gefühl, dass die Kreativ(fisch)köpfe sich einen Spaß bei der Namensgebung dieser Titel machen und wahrscheinlich ?Yellow Press? Bullshit Bingo spielen.
Der durchschnittliche, hungerlose Klatschpressetitel hat folgende Wörter im Namen:
?Frau?, ?aktuell?, ?neu?, ?Woche?, ?Revue?, ?Welt?
Aus diesen Wörtern lassen sich sage und schreibe 68 verschiedene Magazine benennen, die alle die gleichen Inhalte besitzen. Denn die Einfallslosigkeit hört bei der Namensgebung nicht auf. Auf wöchentlichen Meetings tauschen die Chefredakteure wohl Beiträge und Bilder wie auf einem Basar aus. Dabei könnte man doch so interessante Magazine entwickeln. Hier ein paar wirklich spannende Titel:
?Der Dreibeiner ? das Mobilitätsmagazin für Hochaltrige?
?Slow Motion ? die Zeitschrift für betagte Entschleuniger?
?Hörig ? das Kamasutra für Schwerhörige?
"Cookident - der Gourmetführer für den greisen Genießer"
von alter_mann um # 15:22 in Beobachtungen | 1 Kommentar | TrackBack (0) | versenden
Dienstag, 03.01.2006
Sex and the Supermarkt
Der Traum zerplatze als mir die Kundin in Seniorenwindel und Tomb-Raider-Tank-Top (das ?tomb raider? daran, war das archaische Alter des Oberteils) zitternd die Tür öffnete. Vor Schreck beim Anblick der Furchen in ihren Beinen knallte ich mit der Kiste gegen die Küchenzeile. Irritiert und den Blick gen Boden gerichtet, stellte ich die georderte Ware ab und wollte nur noch flüchten. Aber da war noch das Leergut und die Kundin, die immer noch elektrisiert zitternd an der Tür zwischen mir und der Erlösung stand. Mit einer akrobatischen Meisterleistung wand ich mich mit halbgeschlossenen Augen unter ihrer Achsel durch und verabschiedete mich aus diesem Feierabendalptraum mit einem röchelnden ?Schönen Abend noch?.
Mir blieb nur die ?Gala?, ?Das Goldene Blatt? sowie das Seite 1 Girl von ?BILD? um nicht mit einem Trauma weiterzuleben. Seitdem überlege ich ernsthaft, ob ich mich nicht mit ?Playboy?, ?Penthouse? & ?Coupe? für weitere solcher Liefereskapaden wappnen sollte.
von alter_mann um # 16:36 in Neulich | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Montag, 02.01.2006
MHD vs. LSD
Lebensmittel mit abgelaufenem MindestHaltbarkeitsDatum erzeugen auch sehr interessante Effekte. Als verarmter Einzelhändler bleibt einem ja nur die Selbstverköstigung von überreifen Waren.
Mein Favorit. 4 Wochen überfälliges ACTIMEL
Bevor der letzte Schluck den Rachen runtergleitet, feiert der Magen schon ne Party, die sich gewaschen hat (und man ist nicht eingeladen)
2. Platz: Bavaria Blue ? ein nochmals verschimmelter Schimmelkäse, garniert auf Golden ?Green? Buttertoast erzeugt schon zur Mittagspause Beeinträchtigungen des Sehvermögens und dadurch größte Problematiken bei Kundenanfragen
Lachender Dritter im Bunde ist die Kombination aus ausgelutschter Landjägerwurst und der beliebten Partyplatte ?Du darfst? Aufschnitt, die eigentlich nach 3 Wochen über Existenzberechtigung in ?Du würgst? Aufschnitt umbenannt werden müsste.
Tipp: Wir bieten auch einen Lieferservice.
von alter_mann um # 19:14 in Beobachtungen | 3 Kommentare | TrackBack (0) | versenden
Sonntag, 01.01.2006
Riesen-Eier
Kundin holt zwei frische riesengroße Eier.
Hält sie staunend in den Händen und meint lautstark:
"Da habe ich aber zwei riesengroße EIER"
und schreitet aufs Konservendosenregal zu.
Eine Dose Meica Mini-Winis nehmend, ergänzt sie:
"Dazu kann ich auch ein kleines Würstschen haben"!
und ich stimm ihr nur lautstark zu:
"Genau DAS sage ich auch immer"
von alter_mann um # 17:23 in Neulich | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
Samstag, 31.12.2005
Product Placement mal anders
Was zur Hölle ist da los? Seit 3 Wochen platziere ich die heißeste Neuerscheinung der Rollatorenszene, den Khargo, an den prominentesten Stellen im Laden und keiner meiner Kunden nimmt ihn überhaupt wahr.
Dabei ist dieser von Designpreisen überhäufte Mobilitätshelfer eine wahre Augenweide im Meer der abgehalfterten, ausrangierten Pseude-ehemals-Einkaufswagen-Transport-Rollatoren.
Old School Rollator

New School KHARGO

Meine verzweifelte Strategie:
- mitten in den Laden platzieren
- dazu noch einen Riesentisch darunter stellen
- ein Banner mit ?TESTEN SIE MICH!? anheften
Ergebnis: immer noch keine Wahrnehmung
Die Herausforderung ist doch größer als ich dachte. Es ist doch nicht so einfach ein 1,20 METER großes Produkt prominent zu platzieren. Da scheint mir das positionieren von Markenartikeln in Seifenopern doch wie ein Praktikumsjob (in der 9. Klasse).
Nichtsdestotrotz, vielleicht muss ich die Herangehensweise von Praktisch zu Theoretisch ändern. Mich mehr über den ?Senioren-Einkaufs-Tunnelblick? informieren, dieses Phänomen dass die Damen (90% weibliche Kundschaft) nur Waren entdecken lässt, die mindestens seit einem Äon an der selben Position verharren.
Traue mich nicht im Internet nach einer Studie zu recherchieren, weil die dürftigen Einzelhandelsmargen eh nicht den Erwerb ermöglichen würden. Dann doch lieber wieder Pionierarbeit leisten und mit Scharfblick die Blickmuster der Senioritäten beobachten.
Vielleicht liegt des Rätsel Lösung doch in der Statistik. Wenn 90% der Einkäufer doch weiblich und Rollatoren eher männliche Einkaufsobjekte a la Sportwagen sind, dann liegt das Problem doch nicht bei mir. Die Statistik ist schuld und ich kann aufatmen.
von alter_mann um # 18:00 in Beobachtungen | Kommentieren | TrackBack (0) | versenden
